Vergebung

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Mandala
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Re: Vergebung

Beitrag von Mandala » Donnerstag 21. März 2013, 00:25

Primavera hat geschrieben: @Mandala

Nachdem was Du schreibst, heißt es die Liebe zu seinen nächsten ist bedinungslos. Wie gehst Du mit Menschen um, die du bedinungslos liebst?
Bitte nicht wundern - ich hab den Beitrag wieder rausgenommen, schicke ihn per pn.

LG Mandala
Zuletzt geändert von Mandala am Donnerstag 21. März 2013, 21:00, insgesamt 1-mal geändert.

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sanara
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Re: Vergebung

Beitrag von sanara » Donnerstag 21. März 2013, 08:02

@primavera,

ja, so ist das für mich.
Von Herzen / im Herzen verzeihen geschieht irgendwann von selbst, denn da zeigt sich die Verbindung in Liebe, die wir für diese Lernaufgabe, die Verzeihen erfordert eingegangen sind, da sind wir aus meiner Sicht am Ziel angelangt.

Das Vergeben ist für mich die Vorstufe zum Verzeihen, wenn man es so nennen möchte, da habe ich meine verletzten Anteile und die Verantwortung dafür wieder an den Absender zurückgeschickt, damit er dann dieses "Paket" nehmen kann. Im Gegenzug dafür gab es für mich (bisher immer) meine Freiheit und meine (als ich die Verantwortung für gewisse von aussen zugefügten Verletzungen übernommen hatte- sprich spez. als Kind) damals noch "intakten" Anteile waren wieder spürbar und durften (nach)wachsen. Es ist also nicht umsonst, zu vergeben, am Ende steht da für beide Seiten ein Geschenk...
Und bei diesem Vorgang ist es abhängig von der Persönlichkeit, ob ich eine Umarmung geben/nehmen möchte oder nicht, es steht mir immer frei. Je nach Bindungsqualität zur traumatisierenden Person....
Die Geste des abgebens und annehmens ist hier die Essenz für mich (Integrität ;-)). Danach kommt der Rest von ganz allein in Bewegung, je nachdem was sich dann in uns für Bedürfnisse einstellen, es ist alles offen. Die Integrität ist diese schon weiter oben so toll beschriebene (glaube es war von Mandala) Ganzheit, die wir durch das Vergeben erlangen können.
Erleiden wir (egal wann) ein Trauma an Körper-Geist-Seele, dann verlieren wir diese Ganzheit, zu unserem eigenen Schutz, der Überlebensmodus stellt sich ein und anstelle unserer vor dem Trauma verlorenen intakten Persönlichkeitsanteile tritt die Übernahme von Verantwortung für dieses Trauma. Als ich das erkannt hatte, war mir nur noch wichtig mir MEINE verlorenen /od. verschütteten Anteile wieder zurück zuholen. Denn was verloren geht ist meist, Mut, Vertrauen, Selbstliebe, Entspannung, Sicherheit...usw. je nachdem was vorgefallen war...

Einem Kinderschänder z.B. könnte ich keine Umarmung geben, geschweige denn nehmen. So etwas im Herzen verzeihen zu können ist eine sehr schwierige Aufgabe, wer das schafft, der hat meine vollste Anerkennung, der ist mit seiner tiefen Wunde tatsächlich und endgültig durch, sie ist dann heil.
Und in diesem sensiblen Vorgang gibt es für mich wie gesagt kein MUSS sondern ein, alles ist möglich, wenn ich dazu bereit bin. Und wann ich das bin, ist ganz allein meine Sache ;-).

Mir persönlich hat das Vergeben also bei manchen Dingen vollkommen genügt, bei anderen Dingen konnte ich von Herzen Verzeihen, ich höre da auf mein Gefühl und für mich ist das ok so.

Hier findet jeder seine eigene Art und Weise, wir müssen nur darauf achten, was uns aus unserem Inneren mitgeteilt wird... sprich auf unser Herz und unseren Bauch hören.

Jetzt hoffe ich, daß das nicht zuviel geworden ist und

schicke
liebe Grüße

sanara
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Re: Vergebung

Beitrag von AnnSophie » Mittwoch 17. April 2013, 13:59

Liebe Primavera,

manchmal brauche ich für eine Antwort Zeit, manchmal viel Zeit, bis ich einen für mich tragende Antwort gefunden habe. Zur Erinnerung Du hattest geschrieben:
Primavera hat geschrieben: @AnnSophie

ja Du hast Recht in diesem Zusammenhang stellen sich wieder neue Fragen. Wie was ist Gut und Böse. Eine Freundin meinte letztens zu mir, das wir in der Dualität leben und wenn es das Gute gibt, dann gibt es auch das Böse. Und dann meinte sie weiter, dass es demnach auch sein kann, dass die "Gutmenschen" die "Bösen" geradezu zwingen würden Böse zu sein, weil die Bösen ja den ausgleich zu den Guten bilden müssen.

Es könnte aber auch sein wie Susi es schreibt, demnach steht für die "Bösen" ja schon bevor auf die Welt kommen ihre Rolle als "Bösewicht" fest, denn ohne sie könnten wir gar nicht, die Erfahrung machen die wir brauchen. @Susi nimmt uns diese Vorstellung nicht die Verantwortung?
Für mich ist dabei wichtig, dass wir alle gut und böse sind. Wir alle haben beide Anteile nur sind die Schattierungen der Grautöne, die persönliche Mischung zwischen schwarz und weiss, bei jedem etwas unterschiedlich.

Das was es für mich schwer machte, die richtigen Worten die zu finden war das paradoxe nebeneinander und Wahrsein von Susis jeder ist für sich verantwortlich und so gut er zu einem Zeitpunkt eben sein kann und Mimosas Schmerz über die erfahrenen Verletztungen.

Das hat mich zurückgebracht zu der Frage„Wie kann Gott das zulassen?“ (Wie kann er angesichts des Leids gut und allmächtig sein?) Für mich waren einerseits Auschwitz' und andererseits der Golfkrieg 1992 tief prägend. Nach fast 20 Jahren mit der Frage in meinem Herzen, hat mir das Leben eine Anwort geschenkt, die der Verstand nicht finden konnte: als Spiegel. Der Sinn in dem ent-setz-lichen Leid liegt darin Spiegel zu sein, dass wir in Situationen in denen etwa entsprechendes und sei es auch nur leicht widerklingt, aufstehen und uns zivilcouragiert verhalten.

Die Worte beschreiben aber nur einen Teil der Situation, das andere versuche ich in nachfolgendem Bildern zu beschreiben:

___________________________________________________________
|______________ ______________|______________ ______________|
|__________ gut ______________|______________böse__________|
|______________ ______________|______________ ______________|
|______________ ___________________________________________|
|______________ _________eins sein__________ _______________|
|__________________________________________________________|


Das Modell möchte das Sowohl als auch, die paradoxe Gleichzeitigkeit von Trennung in gut/böse Opfer/Täter und Ganz- und Einsein auf einer abstrakten Ebene bildlich ausdrücken.

Mimosas beschreibt unser normales Bewusstseins, das der Teilung und analytischen Betrachtung. Hier wird zwischen gut und böse, Täter und Opfer unterschieden.

Chuck Spezzano schreibt „Jedes Verhalten, das nicht Liebe zum Ausdruck bringt, ist ein Schrei nach Liebe“ auf dies kann man vielleicht auch als ein Erklärungsversuch für Täter stehen lassen, wenn man die Taten auch nicht/nie verstehen kann.

Susi weiss um das Ganzsein. Sie schreibt auf der tieferen Ebene des synthetischen Ganz-/Einsseins, dass es keine Fehler gibt, dass jeder sich so gut verhält wie er kann und
„Es ist wohl so, das unsere Seele in jedem Leben etwas lernen will und das man sich als Seele genau dieses Leben, das man jetzt hat, auch vorher ausgesucht hat. Das ist wohl schwer zu begreifen und vorzustellen, aber irgendwann werden wir es schon "verstehen"
Unsere Seele will in jedem Leben mehr wachsen.

Und gerade eben habe ich auch gelesen, das einem nie mehr zugemutet wird als die Seele auch tragen kann.“

Ja es wird keinem mehr zugemutet, als die Seele tragen kann, aber manchen durchaus (viel) mehr als das das Bewusstsein tragen kann. Wenn dem so ist, finden wir bei einer Verletzung nicht den den Weg von der Spaltung/Trennung zurück in die Einheit.

Heute habe ich in Hermann Hesses „Klein und Wagner“ einen dazu sehr passenden Abschnitt gefunden, der diesen inneren Kampf darstellt:

„Er wusste bereits, dass das würgende Angstgefühl nur dann verging, wenn er nicht an sich schulmeisterte und Kritik übte, nicht in den Wunden stocherte, in den alten Wunden. Er wusste alles Schmerzende, alles Dumme, alles Böse wurde zum Gegenteil, wenn man es als Gott erkennen konnte, wenn man ihm in seine tiefsten Wurzeln nachging, die weit über das Weh und Wohl, über das Gut und Böse hinaufreichten. Er wusste es. Aber es war nichts dagegen zu tun, der böse Geist war in ihm, Gott war wieder ein Wort, schön und fern.“

Eine musikalische Antwort hat Peter Gabriel in seinem Lied Darkness gegeben, wo das musikalisch Unerträgliche, das Beklemmende genial aufgelöst wird im Text, noch viel mehr jedoch auf der musikalischen Ebene.

Will sagen wenn, wir den Weg durch die Teilung hindurch zurück in die Synthese des Ganzsein finden, können wir unsere Schmerzen und Verletzungen integrieren, unsere Seele das Paket aus ihnen lernen und wir können den anderen und uns vergeben und verzeihen.
Das ist es auch, was das Verzeihensritual des Ho´oponopono für mich als innere Reise abbildet.

AnnSophie.
Ich bin. Du bist. Wir sind. Das ist genug.
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Re: Vergebung

Beitrag von sanara » Donnerstag 4. Dezember 2014, 06:07

Liebe AnnSophie,

ich platziere das mal noch hier, wie versprochen ;) :

Verzeihen ist für mich die zu Ende gebrachte Vergebung, daß Endergebnis eines Prozesses der im Herzen statt findet.
Wenn ich vergeben habe, ist die Verantwortung wieder da, wo sie hingehört, ich bin freier, trage aber noch die Emotionen wie Groll, Wut, Bitterkeit o.ä. weiter mit mir herum, weil das ja etwas mit mir gemacht hat...
Verzeihen ist das Loslassen aller mit dem Thema verbundenen neg. Emotionen und Bindungen, die Wandlung in "Licht u. Liebe" wie man oft sagt, man ist dann wirklich frei. Das ist dann auch deutlich spürbar. Alle dunklen verworrenen "Verbindungsschnüre" sind im "Idealfall Verzeihen" gewandelt, entwirrt, gelöst und alle beteiligten Seelenanteile wieder an ihrem Platz in geheilter/gereinigter Ordnung.
Ich hoffe, daß ich das einigermaßen rüberbringen konnte.
Mir fällt gerade noch ein daß es auch den Begriff der Unverzeihlichkeit gibt, was ja dann bedeutet, daß man sich mit dem Zustand der neg. Emotionen in gewisser Weise abgefunden hat. Das hab ich schon ein paar mal miterlebt und für mich ist das nicht Verzeihen können/wollen je nach schwere des Traumas eine nur menschliche Folge... da ist dann keine wirkliche Lösung möglich, glaube ich.
Bei der Vergebung ist es anders, Vergebung hat keinen mir bekannten Begriff der Unmöglichkeit (Unvergebbar, unvergeblich...gibt es nicht ;-)), also kann Vergebung immer möglich sein, wenn ich es im Kontext der Verantwortung sehe.
Da sind dann auch wieder Lösungsmöglichkeiten da, und vielleicht macht das innere die Seele, das Selbst od. whatever den Rest ja selbst, braucht lange Zeit bis es beim Verzeihen angekommen ist, vielleicht (wenn man an Reinkarnation glaubt) mehrere Leben, je nachdem, wie tief die Wunde ist.
In jedem Fall habe ich ein Thema m.M.n. KOMPLETT abgeschlossen, wenn ich mir selbst und dem/der anderen Person Verziehen habe.


Ich hoffe sehr, daß dieser Ansatz noch anderen etwas weiterhelfen kann und lasse es einfach hier stehen, da ist wohl ein guter Platz.
Irgendwie gerade mein Thema: "Aus der privaten "Comfortzone" raus in die Welt (da ist es spannend) " ---- mit Gedanken beginnt es, dann kommt das Wort (die lilanen sind ja schon ein paar ;-) ) und dann die Tat (od. auch der Körper...) , dann ist es geschafft. Danke für´s Stupsen, liebe AnnSophie, ich weiß das sehr zu schätzen, hast Du mich doch jetzt auf mehreren Ebenen (recht ganzheitlich :) ) "erwischt", etwas in Bewegung gebracht, wofür Stupsen ja auch da ist.

: 26

Von Herzen auch an dieser Stelle nochmal alles Liebe für Dich und alle, die das lesen.

sanara
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Re: Vergebung

Beitrag von AnnSophie » Donnerstag 4. Dezember 2014, 07:28

Liebe Sanara,
ja so einen Stupser, um mehr ins Leben zu kommen war das in Heiligenfeld für mich wohl auch bis hinunter auf die körperliche Ebene, wo der Integrationsprozess noch immer am ablaufen ist.
Du hast mich mit Deinen weisen Worten vor ein paar Wochen auch recht ganzheitlich erwischt, es ist in aller Ruhe durch mich durchdiffundiert, hat mich vorgekocht für das was dort dann passieren konnte :lol:

Vielleicht treffen sich die Kleinen doch bald auch draußen auf dem Spielplatz zum Spielen und nicht nur auf/unter der gut geschützten Kuscheldecke.

Hab's ganz arg wohl, im achtsamen Kontakt mit unseren Grenzen und unseren Möglichkeiten.

: 26

AnnSophie
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