Mehr Gelassenheit mit Hund und Fuchs

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Waldeule
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Mehr Gelassenheit mit Hund und Fuchs

Beitrag von Waldeule » Dienstag 6. Juni 2017, 08:47

Hallo an alle, die kleine, heitere Geschichten lieben,

diese hatte ich ja angekündigt. Sie könnte auch "Nebenwirkungen einer Schilddrüsenbehandlung" heißen, dann hätte ich sie in der Kurzversion in den entsprechenden Thread gestellt. Aber es regnet, Pferde und Hunde sind schon gefüttert und nach einem etwas turbulenten Wochenende, entspannt mich das Geschichte schreiben selbst. Ich hoffe, einigen heitert das zum Ausgleich für all die negativen Tagesereignisse in den Medien die Kaffeepause etwas auf :kaffee:

Hier die Vollversion:

Vor dem Jahr 2011 glaubte ich noch unerschütterlich an die Erziehbarkeit von Hunden, wenn man nur die nötige Zeit und Konsequenz aufbringt. Unsere beiden Hunde waren gut erzogen und rundum problemlos. Manchmal schauten wir kopfschüttelnd anderen Hundebesitzern zu, die im Nahkampf mit ihrem Haustier keine gute Figur machten.
Dann starb unsere geliebte Shanti, ein ungarischer Vorstehhund, mit 14 Jahren. Unser Rüde war das Leben ohne Partnerin nicht gewohnt und wir beschlossen trotz Trauer, ihm eine neue Wegbegleiterin zu suchen. So kam Lali, auch ein Vizsla, über eine Tierschutzorganisation zu uns. Mein Glaube an die Anpassungswilligkeit von Hunden an ihre Menschen ist seitdem irreparabel beschädigt. Anfangs war es auch noch äußerst peinlich, wenn man das Kopfschütteln anderer Hundebesitzer mit braven Hunden im Nacken spürte, die mich auf den Knien sitzend beobachteten, wie ich das Monster im Schwitzkasten haltend, daran zu hindern versuchte, den dreimal so schweren Berner Sennenhund zu fressen. Rottweiler stand auch auf ihrem Speiseplan! :shock:

Seit wir vor bald drei Jahren in das fast 300 Jahre alte Hofanwesen gezogen sind, hat sich die Lage entspannt. Ich kündigte meine Gassi-geh-Pflicht auf, denn auf den circa 3.500 qm Areal, das wir ausbruchsicher eingezäunt hatten (auch so ein Irrtum!), konnten die Hunde sich austoben und ich meine Ehre wieder herstellen. Dafür ergaben sich neue Herausforderungen: unser Dorf ist in den Berghang integriert, wodurch bei einem so großen, alten, eingewachsenen Grundstück zahlreiche terrassenartige Flächen entstanden sind. Alte, efeubewachsene Sandsteinmauern begrenzen teils die verschiedenen Ebenen und manche Nebengebäude sind dadurch mehrstöckig mit Eingängen vom Hof oben und Stall darunter. Kurz: unendliche Weiten und Möglichkeiten ohne Ende für einen Hund, der nicht gefunden werden will. Und der zudem von ohnehin schon Schwerhörigkeit in absolute Taubheit umschalten kann.
Bis vor kurzem erreichte ich bei meinen Suchmarathons relativ zügig den Punkt, an dem der Dampf aus meinen Ohren zischte. Früher konnte ich nie entschuldigen, wenn ein Hund mit Köter tituliert wurde - die Gabe der Vergebung hat mich in der Hinsicht erreicht! Oft bin ich irgendwann wutschnaubend ins Haus zurück und nahm mir vor, sie stundenlang winselnd vor der Tür (möglichst im Regen :twisted: ) sitzen zu lassen zur Strafe.... nur um irgendwann zu entdecken, dass sie bereits die Haustür wieder geöffnet hatte, um sich zufrieden im 1. Stock in einem der Gästebetten vom Streifzug zu erholen (eine weitere Todsünde!).

Jetzt kommt die Schilddrüsenbehandlung ins Spiel. Nach einigen Wochen strömen und meditieren über ursächliche Muster, warum ich den "Feuervogel" (so die treffende Bezeichnung der Schilddrüse in einem Buch) mit einer Autoimmunerkrankung selbst bekämpfe und zahlreichen "Ahas" bezüglich Schuldgefühlen, Selbstbestrafungsmustern etc., kam es zu folgendem Erlebnis: mitten in der Hundesuchaktion, zu einem Zeitpunkt, an dem der innere Siedepunkt längst hätte erreicht sein müssen, blieb ich lauschend stehen. In dem Moment realisierte ich, dass das Dampf erzeugende Muster einfach weg war! Ich konnte mich beim besten Willen nicht mehr aufregen. Mental war längst klar, dass es albern ist, wenn ausgerechnet ich mich über einen Hund mit extremem Freiheitsdrang und der Vorliebe, Regeln individuell und situativ zu interpretieren, ärgere. Aber über die Kluft zwischen geistiger Erkenntnis und emotionalen Vulkanausbrüchen führte lange keine Brücke. (Der Donnersberg ist übrigens vulkanischen Ursprungs ;) )

Dann bliebe noch der Part, den der Fuchs in diesem Lehrstück hatte. Auch er hatte entdeckt, dass kein Zaun unüberwindbar ist. Nachts, wenn die Hunde im Haus sind, kam er zielstrebig die Hintertreppe herauf, klaute alle unsere Gartenschuhe und verteilte sie auf....3.500 qm gut eingewachsenem Grundstück!!! Ich mag Füchse. Aber nach weiteren "Schnitzeljagden" nach Gartenschuhen war mir bei aller Liebe nicht! Doch eines Tages wurden keine Schuhe mehr geklaut und meine Nachbarin (auch sehr tierlieb) fand einen sterbenden Fuchs in ihrem Garten - vermutlich vergiftet. Wie gerne hätte ich ihm unsere Schuhe weiterhin gegönnt! Doch es gibt ein Happy End: er hatte seine diebischen Gene offensichtlich vererbt...

Seit dem Frühjahr entschwand unsere Hündin oft unauffindbar und kam mit ungewöhnlich großen Knochen wieder. Der Nachbar brachte uns auf die Lösung des Rätsels: außerhalb des Zauns, in dem noch zu unserem Grundstück gehörigen, dicht bewachsenen Grünstreifen war ein junger Fuchs eingezogen. Da wir eine Metzgerei mit eigener Schlachtung im Ort haben, stammten die Knochen vermutlich von dort und er vergrub sie in der Nähe seines Baus - ohne die Rechnung mit unserem domestizierten (na ja, mehr oder weniger) Vierbeiner zu machen, die ihm seine Knochen stibitzte. Seine Rache kam des nachts: er hat offenbar nichts übrig für stinkende Gartenschuhe - sein Objekt der Begierde verrät einen Hang zu exklusiver Wohnungs- (Bau-) gestaltung: eines morgens war von meiner Solarsteckleuchte nur noch die nackte LED Birne und die Solarzelle übrig, die glitzernde, bunte Glaskugel war spurlos verschwunden. Da dieses Beet nicht abschüssig liegt und ich in den Polsterstauden zwischen den beiden Rosen die auffällige Kugel oder wenigstens die Scherben auf jeden Fall hätte finden müssen, heitert mich der Gedanke an einen Fuchs auf, der in seinem Bau vor einer bunten Glaskugel sitzt und sich wundert, warum sie nicht mehr leuchtet! So schlau ist er dann wohl auch wieder nicht ... :idea:

Waldeule, jetzt auch mit Käffchen :kaffee:
Humor...
... ist der Knopf, der verhindert, dass einem der Kragen platzt - J. Ringelnatz -
... ist der Regenschirm der Weisen - E. Kästner-
... fängt damit an, dass man die eigene Person nicht mehr ernst nimmt - H. Hesse -

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ate2011
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Re: Mehr Gelassenheit mit Hund und Fuchs

Beitrag von ate2011 » Mittwoch 7. Juni 2017, 15:34

Danke für deine Geschichte, es ist nichts mehr, wie es war.
Neufassung des Kinderliedes ..
Fuchs, du hast den Glanz gestohlen,
gib ihn wieder her,
sonst wird dich das "Eulchen" holen,
denn sie vermißt ihre Leuchte sehr. :D

Toll, wie deine Schilddrüse aufs strömen
reagiert, einer meiner Lieblingsgriffe ist
eine Hand unter Achsel (26), andere Hand
Schlüsselbein (22).

Gruß ate Bild
"pure awareness"

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Waldeule
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Re: Mehr Gelassenheit mit Hund und Fuchs

Beitrag von Waldeule » Mittwoch 7. Juni 2017, 19:30

Hey ate, in dir steckt ja ein Poet :witz: Ich kann nur Prosa - alles andere wird peinlich :mrgreen:

Gott sei Dank hast du das Schießgewehr umgedichtet! Das würde ich nie auf einen Fuchs richten. Bei Leuten, die Tieren Gift auslegen, garantiere ich aber für (fast) nichts :patsch2:

Den SD-Griff 22 und Achsel (also nicht ganz die 26) hatte ich die letzten Wochen 3 x tgl mit dabei. Jetzt hoffe ich, dass die arme Schilddrüse auch vom Strömen profitiert hat und nicht nur die Terrorschnecke von Hund - sonst wäre es diesbezüglich ja für die Katz :kicher: Morgen kriege ich die Laborergebnisse. Aber schon seltsam, wie manche Dinge verknüpft sind :roll:

Liebe Grüße
Waldeule
Humor...
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