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Re: Pankreas-Ca

Verfasst: 27. August 2009, 22:47
von Meggie
Ja,
da sind jetzt einige wichtige, richtige Dinge zum Thema gesagt worden.
Ich war von Anfang an nicht davon ausgegangen, dass es darum geht, gegen den Krebs im Endstadium anzukämpfen. Habe auch, ehrlich gesagt, nichts von den guten Ratschlägen an die Patientin weiter gegeben (außer den Strömtips natürlich). Sie hat auch nicht gefragt.

Sie war noch eine Woche im Urlaub mit ihrer Familie, im letzten Moment sozusagen, denn vom Meer dann quasi gleich ins Krankenhaus. Jetzt ist sie auf der Palliativstation. Ich bin nicht mehr "zuständig". (Habe dennoch vor, sie am Wochenende zu besuchen.)

Ihr Lebensgefährte erzählte mir am Telefon, dass sie noch nicht akzeptiert, dass sie stirbt. Ich war verwundert: Ich habe mich mit ihr über eine Stunde über's Sterben unterhalten...
Aber es ist ein Prozess. Mit Höhen und Tiefen, schon klar.

Für mich hat die ganze Sache noch ein Nachspiel auf der 13er-Ebene. Das habe ich ihr zu verdanken (Ist nicht ironisch gemeint, ich bin ihr wirklich sehr dankbar, dass durch sie meine Aufmerksamkeit da hingelenkt wurde!).
Außerdem wohnt sie im 4. Stock. Auch kein Zufall, dachte ich so, als mir das auffiel.

Manchmal geht es nicht darum, gesund zu werden. Hat mal eine Schamanin in irgendeiner Fernsehsendung gesagt. Daran denke ich oft.

Liebe Grüße!

Re: Pankreas-Ca

Verfasst: 28. August 2009, 15:19
von gekala
Leider ist es oft so das es ein Unterschied ist über das Sterben zu sprechen
auch übers eigene.
Ist dann der Zeitpunkt gekommen befindet man sich in einer ganz anderen Situation nämlich dann wenn es wirklich ernst wird.
Ich kann mir gut vorstellen dann ersteinmal in eine Situation zu kommen
wo man es nicht akzeptieren kann jetzt doch gehen zu müssen.
Erst wenn die Situation dann unabänderlich ist kann der Sterbende sich in den Prozeß begeben ,oft weil er garkeine andere Wahl hat.
Selbst das fällt dann vielen noch unglaublich schwer.
Ich denke das dann gute Begleiter gefragt sind.
Ich begleite auch,nur kann selbst ich nicht sagen wie es bei mir wäre
wenn es mich selbst beträfe.
Ich glaub das kann keiner von uns,selbst dann nicht wenn man um die Dinge weiß.
Gekala

Re: Pankreas-Ca

Verfasst: 28. August 2009, 20:15
von Meggie
Ja, so ist das.
Selbst bei kleineren Alltagssituationen ist es ein himmelweiter Unterschied, ob man selbst betroffen ist, oder sich bequehm zurücklehnen kann und sagen "wenn ich an deiner Stelle wäre, dann...".

Oder zu sagen, dies oder jenes würde ich nie (oder so und so) tun...
Da habe ich schon selbst so einige Überraschungen von mir erlebt!

Eigentlich kann man vorher nie mit Sicherheit sagen, wie man in irgendeiner Situation sein wird, wenn sie noch nicht Realität ist. Plötzlich fühlt es sich ganz anders an, und dann...?
(Darum sind ja auch diese Patienten-Testamente so schwierig zu händeln. Da möchte ich mit den betroffenen Ärzten und Angehörigen auch nicht tauschen.
Wer weiß schon, ob die Verfügung für den Menschen, der sich nicht mehr äußern kann, so noch gilt???)

Re: Pankreas-Ca

Verfasst: 24. September 2009, 16:04
von Meggie
Ihr Lieben,
da ihr alle so viel Anteil genommen habt, erzähl ich jetzt auch noch die Geschichte zu Ende:
Vier Tage nach dem Telefonat hat die junge Frau sich verabschiedet. Ging dann also am Schluß doch recht schnell, zum Glück.
Der Urlaub war sozusagen in letzter Minute, da ging es ihr auch noch einigermaßen gut - wie gut, dass sie gefahren waren, und sich das nicht haben ausreden lassen von den Ärzten!!

Ich habe sie nicht nochmal gesehen, aber ich fühle mich ihr dennoch nah... unsere Begegnung war ja sowieso alles andere als zufällig!

Viel Gesundheit
und in jedem Fall Gelassenheit
für euch alle!
Meggie

Re: Pankreas-Ca

Verfasst: 26. September 2009, 12:29
von Rose
Der Tod ist ein Bote des Lebens, und dass wir jetzt schlafen,
dass zeugt vom nahen gesunden Erwachen. Sterblichkeit ist Schein,
ist wie die Farben, die vor unserem Auge zittern, wenn es lange
in die Sonne sieht. (Hölderlin)


Auch in meinem persönlichen Umfeld ist kürzlich ein junger, allseits be- und geliebter Mensch ohne Fremdverschulden oder Krankheit aus dem Leben gerissen worden. Das hat uns massiv erschüttert, nicht nur berührt, so dass die elementare Frage nach dem Sein und Unendlichen wieder präsent ist. "Der Tod ist ein Bote des Lebens", schreibt Hölderlin. Anders kann ich mir das Hinüberwechseln dieser jungen Leute in die andere Sphäre als Botschaft nicht erklären. Vielleicht wandelt sich diese Hoffnung zur Gewissheit, zur Wahrheit...

Danke für die Mitteilung, Meggie.


Rose

Re: Pankreas-Ca

Verfasst: 26. September 2009, 21:54
von fairy
hallo ihr lieben

auch ich musste vor einiger zeit jemanden gehen lassen. ich konnte bei der trauerfeier nicht dabei sein, weil ich nicht da war. ich wollte mich mit einer ihr sehr nahestehenden person verabschieden, als ich wieder zurück war.

dieser wunsch ist mir verwehrt worden, warum auch immer.

ich habe aber für mich einen weg des abschiedes gefunden.

jeder abschied kann auch bedeuten, dass etwas neues kommt.

ich durfte das jetzt erfahren.

ich war noch sehr in der trauer um diese ganz liebe frau, die für mich wie eine mutter war, als ich erfahren habe, dass ich oma werde.

ich war so glücklich darüber, dass ich geweint habe. ich weiss gar nicht, habe ich um die frau geweint oder darüber, dass ich ein enkelkind bekomme. spielt auch keine rolle, war wohl beides. abschied und neubeginn.

vielleicht ist es für einige von euch ein trost, dass nach der trauer auch wieder die sonne scheint.

alles liebe

eine werdende oma fairy

Re: Pankreas-Ca

Verfasst: 27. September 2009, 13:34
von Klee
Ja Fairy - das ist eine sehr schöne Geschichte, die mich sehr rührt - alles Liebe für die werdende Oma - die werdende Mama und den kleinen werdenden Erdenbürger.

Ich möchte eine ähnliche mit Euch teilen - die mir auch sehr nahe geht.

Eine Bekannte erzählte mir, sie wollte ihr Pferd gestern einschläfern lassen, doch der Arzt hätte Urlaub - ich meinte darauf, ich ströme ihn dir. Ich sagte, was auch immer passiert, es kann sein, er wird wieder, es kann aber auch sein, daß du dich besser von ihm verabschieden kannst.

Ich strömte dieses Pferd wegen einem lahmenden Fuß. Als ich das letzte Mal dort war, lief er wunderbar und viel besser als sonst und ich war sehr erfreut.

Am nächsten Tag kam der Tierarzt und meinte, es wäre nichts mehr zu machen, der Huf löse sich und einschläfern wäre die beste Wahl. Die Bekannte schrieb mir eine SMS und ich war im ersten Moment richtig geschockt - war das Pferd doch gestern viel besser gelaufen - was war das?

Ein paar Monate später erfuhr ich, daß die Bekannte genau um diesen Zeitpunkt schwanger geworden ist und inzwischen ein gesundes Kind (nach einer Fehlgeburt) auf die Welt gebracht hat.

Es ist wohl wie es ist -
wenn hierzuland ein todes Tier gesichtet wird - heißt das hier landläuflig - es kündigt neues Leben an.

Mit lieben Grüße
Kleefee

Re: Pankreas-Ca

Verfasst: 27. September 2009, 15:36
von Meggie
Es ist eben ein ewiger Kreislauf von Wachsen, Werden, Sein, Gehen und Vergehen.

Die Erfahrung, sich nicht mehr verabschieden zu können, (scheinbar) nicht zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein,
oder noch etwas zu klären zu haben,
kenne ich gut.

Meine Erfahrung ist, dass es zu jeder Zeit geht. An jedem Ort.
Letztes Jahr Samhain habe ich zum Beispiel eine Angelegenheit noch einmal bearbeitet, die seit knapp zwanzig Jahren an mir genagt hat... hatte viel mit Schuldgefühlen zu tun.
Die Verbindung war ganz eindeutig da, selbst nach dieser langen Zeit.

Linearer Zeitablauf ist Illusion.

Eure Meggie :daumen: