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Re: Wolfsgesänge

Verfasst: 11. April 2010, 12:27
von Panthera
Herzlichen Dank Senior-member :D :D .

Klar würde ich gerne veröffentlichen - scheitert dann immer wieder an Selbstzweifeln und Geldmangel.

Auf die Visitenkarte freu ich mich - sie ist sicher schön bunt.

Wenn Du magst, kannst Du gerne meine Gedichte Deiner Lektorin zeigen; soll ich Dir noch eine kl. Auswahl schicken?
Hmmm ... Galsan meine Gediche anschauen .... da krieg ich nen roten Kopf :oops: und verzieh mich in meine Ich-bin-nicht-gut-genug-Ecke .
Aber weil ich ja auch noch ne Grosse Wölfin habe in mir, sage ich ja!
Herzlichen Dank Gekala.

Galsan selber zu treffen habe ich momentan nicht die finanziellen Mittel.

Hier für alle meine Lieblingsgeschichte ; sie hat sich selber geschrieben in einer Januarnacht voller Herzklopfen

Bild

Maat - Die Waage

Eines Tages hatten sie beschlossen, die Klugheit zu messen. Nicht alle Einwohner des Landes, neinnein, auch nicht die Tiere und die Pflanzen. Die Mineralien und Steine waren es schon gleich gar nicht gewesen.
Wie immer, wenn etwas von besonderer Tragweite beschlossen worden war, war es ein menschliches Wesen gewesen. Wobei die besondere Tragweite nur auf das Ausmaß des Tuns hinweisen soll, nicht unbedingt auf seine Güte.
Der Mensch, der diesen weitreichenden Entschluß getroffen hatte war, wie oft, die Präsidentin gewesen.

Sie war mit der Leitung dieses Landes nun schon seit mehreren Jahrzehnten betraut. Und es war immer wieder eine große Herausforderung für sie diese vielfältigen Aufgaben zufriedenstellend zu lösen.

So gab es denn auch etliche, die mit ihrem Führungsstil durchaus nicht einverstanden waren und es kamen öfter Beschwerdebriefe beim Palast an.

Es wären noch viel mehr Beschwerdebriefe beim Palast angekommen, hätten nicht die Tiere, die Steine und die Pflanzen alles was in ihrer Macht stand, getan, um die teilweise verfehlte Politik dieser Präsidentin auszubügeln.

Die Bewohner dieser anderen Reiche taten dies aus Liebe und Erbarmen mit dem Menschenreich, über das sie nur den ganzen Tag den Kopf hätten schütteln können. Dazu waren sie allerdings zu kopflos - sprich: Sie lebten in erster Linie aus dem Herzen.

Wie dem auch sei : Die Präsidentin hatte eines Tages beschlossen, die Klugheit zu messen.

Da die Klugheit im Wasser gespeichert war, wurde zu diesem Zweck das Wasser des ganzen Landes benötigt. Es sollte gemessen werden an der ältesten Waage des Landes, die als unbestechlich galt.

Diese Waage hatte schon seit Erdengedenken dort gestanden und ihren treuen Dienst versehen ; sie war zusammen mit der Erde geboren worden; die beiden waren also in gewisser Weise Schwestern.

Sie hatte schon alle möglichen und unmöglichen Dinge gewogen. Anfangs war sie eine zuversichtliche, eine goldglänzende - ja eine ehrgeizige - Waage gewesen; eine Waage, die an den Sinn ihres Tuns glaubte, eine Waage, die einfach jung war und dynamisch.

Was sie schon alle gewogen hatte?

Einmal mußte sie einen Apfel gegen Erkenntnis aufwiegen.

Ein anderes Mal waren in der einen Waagschale drei Goldene Haare und in der anderen ein Menschenleben.
Sehr oft hatte sie Schuld gegen Sühne aufgewogen.

Einmal wog sie Männer gegen Frauen auf: das war eine der witzigsten Wägereien, die sich je erlebt hatte. In beiden Waagschalen war ein Jauchzen und Kreischen, ein verschämtes und belustigtes Gekichere und sehr viel Lust unterwegs gewesen.
Die Waage hatte Mühe ihre Aufgabe ordnungsgemäß zu erfüllen; sie mußte schmunzeln und des öfteren wäre sie fast in lauthalses Lachen ausgebrochen, weil dieses Gewusel in ihren Waagschalen sie so kitzelte.
Männer und Frauen hatten schlußendlich gleichviel gewogen , was die Waage schon gewußt hatte, als diese unbekleidet vor ihr gestanden waren. Aber diese Präsidentin wollte unbedingt alles schwarz auf weiß und skaliert.

Einmal hatte sie Länder aufwiegen müssen gegen Ehre. Das war ziemlich schwierig zu bewerkstelligen gewesen, weil die Ehre einfach nicht sitzen bleiben wollte. Sie war so unwahrscheinlich leicht gekränkt: Sie empfand es einfach als Zumutung, sich in eine solch kalte metallene Waagschale setzen zu sollen - das ging ihr gegen die Ehre. Dann wiederum war es ihr zu zugig in den luftigen Höhen. Schließlich hatte sie sich doch gesetzt und so konnte in letzter Sekunde ein Krieg verhindert werden.

Die älteste und unbestechlichste Waage des Landes also war ganz in Träumereien von alten Zeiten versunken und hatte auch noch nicht einmal ihren Morgenkaffee gehabt, als sie einen Trommelwirbel nach dem anderen hörte. Mürrisch öffnete sie ihre Augen und schaute in die Landschaft hinaus. Oh Du meine Güte - was sie sah erinnerte sie an ein Großwiegeereignis, das einige hundert Jahre zurücklag. Die Ebene entlang kam ein Menschentrupp - angeführt von einem Reiter . Der Reiter saß auf einem Rappen, der in den Farben der Präsidentin geschmückt war - grün und weiß. Hinter dem Reiter marschierte der Trommler mit einer ebenso grün-weißen Trommel und nach diesem kam der Herold mit einer Schriftrolle. Es folgte noch ein wenig Fußvolk mit Stempeln und allerlei amtlichen Krimskrams.

Bei der Waage angekommen bemühte diese sich, ein ärgerliches Grummeln zu unterdrücken. Sie hatte sich noch rasch die angegrauten Haare ein wenig gekämmt, um wenigstens einigermaßen diesem Aufmarsch gerecht zu werden.

Als Erstes nachdem dieser Trupp bei ihr angelangt war, gab es einen Trommelwirbel, der sich fürchterlich großtuerisch anhörte. Die Waage hielt wenigstens die Augen offen und versuchte nicht genervt zu schauen.

"Im Namen ihrer Präsidentin der Grün-Weissen von Innerland kündigen wir an, daß es zu einer Großen Hochpräsidentialen Meß- und Wiegeaktion kommen wird" - Trommelwirbel - "Ab sofort wird für unbestimmte Zeit die Klugheit in Innerland gemessen werden. Zu diesem Zwecke werden alle verfügbaren Kräfte zusammen die Wässer des Landes ausschöpfen und zu Ihrer Hochpräsidentialen Waage bringen" - Trommelwirbel - "Sollte sich herausstellen, daß die Klugheit klüger ist als die Präsidentin dachte, werden an dieser Aktion auch noch Ambulante Waagen aus allen Teilen des Landes beteiligt werden".

Es folgten die üblichen Formalitäten. Die Waage hatte zu unterschreiben, daß sie den Vertrag annehme und Stillschweigen über die Inneren Erkenntnisse der Klugheit des Landes wahren würde, die sie im Rahmen der Wiegeaktion erfahren würde.

Dann zog der Trupp wieder ab. Nicht ohne einen letzten wichtigtuerischen Trommelwirbel.

Erleichtert schlürfte die Waage ihren Morgenkaffee zu Ende: Da kam Arbeit auf sie zu - viel Arbeit!

Sie haßte Arbeit, denn je älter sie wurde um so mehr genoß sie es einfach, sich die Sonne auf ihre bauchigen Waagschalen scheinen zu lassen und die verschiedenen Tiere zu beobachten, wie sie ihren Tagesgeschäften nachgingen.
Insbesondere an diesem Vertrag haßte sie die Zusammenarbeit mit den Ambulanten Waagen. Das waren kleine flatterhafte Dinger in ihrer Verwandtschaft, die sich hier und dort als Saisonarbeiterinnen verdingten und eigentlich vom Sinn und Zweck des Wiegens nur oberflächliche Ahnung hatten:
Immer wieder kam es vor, daß eine dieser vagabundierenden Waagen sich heimlich bereichern wollte und etwas vom Wiegegut für sich abzwackte. Die Grosse Waage wußte dies und es erleichterte nicht gerade ihre Arbeit den untergebenen Cousinen und Basen auf die Waagschalen zu schauen.

Die Waage neigte sich bedenklich auf eine Seite - die Seite des Hochmuts. Gerade noch rechtzeitig bevor sie kippte, konnte sie dies erkennen und sprach innerlich ihre Schwestern von der Zunft der Ambulanten wieder frei von Schuld und sich ebenso.

Während nun also in Innerland alles für diese große präsidentiale Erfassung der Klugheit vorbereitet wurde, lag in einem anderen Land ein Mensch im Krankenhaus.

Er war vor einiger Zeit dort eingeliefert worden - es ging ihm sehr schlecht. Die Ärzte hatten genaue Diagnosen erstellt und dennoch stunden sie weiterhin vor einem Rätsel und konnten die passende Medizin nicht finden.

Der Mensch dämmerte die meiste Zeit des Tages vor sich hin. Er war bleich und ausgemergelt und helles Sonnelicht vertrug er sehr schlecht.
Die Ärzte fingen allmählich an, ihn aufzugeben. Zu rätselhaft war seine Krankheit.

Eines Vormittags lag der Mensch gerade im Bett und träumte vor sich hin.

Am Fensterbrett wohnte eine Elfe. Sie war dort vergessen worden, als die Elfen fortgezogen waren - vor Äonen an Jahren.
Damals hatte sie noch schnell ihre Schuhe binden wollen, die sie sich für die langere Wanderung an die Ufer der Zeit herbeigeblinzelt hatte. Da es sehr schöne und sehr spezielle Schuhe waren, hatte dies Binden einige Zeit in Anspruch genommen. Als die Elfe wieder aufblickte, waren die anderen sang- und klanglos verschwunden.

Sie war zwar sofort hinterher geflogen in Richtung von dort, wo das Licht am Leichtesten flirrte. Das wies normalerweise auf den Aufenthalt von Elfen hin ; allein in diesem Falle hatte sie gefehlt. Ihre Brüder und Schwestern blieben verschwunden.

Es blieb ihr also nichts andres übrig, als sich in dieser Ecke der Zeit einzurichten. Als sie wieder einmal erwachte, war direkt neben ihrer Zeitnische ein Krankenhaus errichtet worden.

Die Elfe vertrieb sich die Zeit damit, die Patienten und Patientinnen zu besuchen. Je nach Tagesstimmung spielte sie ihnen einen Schabernack oder heiterte die Kranken irgendwie auf, indem sie mit der Spitze ihre Finger kleine Lichtreflexe erzeugte, die keiner sich erklären konnte.

An diesem Vormittage nun, als sie am Fenster des Menschen lag, der dort seit Wochen vor sich hindämmerte, feilte sie sich gerade ihre Fingernägel. Sie wollte nachher ein bißchen Lichtzauber machen und da mußten die Fingernägel immer kurz sein.

Die Sonne schien herein und plötzlich wurde sie von einer Lichtreflektion geblendet. Als sie aufschaute, sah sie eine Träne im Augenwinkel des Menschen schimmern. Just in dieser Träne spiegelte sich die hereinscheinende Sonne.

"Das ist es", sagte die Elfe und flog schnell zu dem Menschen. Sachte landete sie auf seinem Jochbein und hob behutsam die Träne in ihren kleinen Rucksack, der aus feinstem Spinnweb geschaffen war.

Die Träne schillerte durch den Rucksack hindurch und die Elfe flog eilends davon. Plötzlich war ihr auch klar, wo ihre Brüder und Schwestern geblieben waren. Denn nun zeigte sich im milchigvioletten Dezemberlicht eine Spur aus flirrendem Schneeflock, gemischt mit Sternenstaub.

Die Elfe flog mit beflügeltem Herzen immer in dieser Spur. Die Luft um sie herum wurde immer dünner, wurde geradezu elfisch und leicht und erhebend.

Bis sie sich langsam wieder verdichtete. Ah - hier war es also - sagte ihr Inneres Wissen. Hier wurde sie gebraucht.

Sie setzte zur Landung an, flog durch die dicker werdenden Luftschichten hindurch und als sich die Schleier lüfteten, sah sie dort unten einen riesigen Menschenauflauf.

Menschen jeglichen Alters und jeglicher Statur, Männer, Frauen und Kinder, Greise und ganz junge Menschen.

Alle standen sie in einer schier endlosen Schlange vor einer mächtigen alten Waage an. Die Waage machte ein gelassenes Gesicht - jedoch die Elfe konnte sie sofort durchschauen und sah wie erschöpft die Waage war und daß sie nur mit Mühe ihre Gesichtszüge beherrschen konnte.

Die Menschen trugen alle ein Behältnis mit sich. Die Elfe sah Krüge, Eimer, Tonschalen - ja manche Männer hatten gar ganze Fässer dabei. Und in den Behältern befand sich Wasser - alles Wasser dieses Landes war ausgeschöpft worden, um sich hier in tagelanger Arbeit in die eine Waagschale der Alten Waage zu ergießen.

Die Elfe zwinkerte der Alten Waage kurz zu und sendete ihr einen Blinkestrahl direkt in ihr linkes Auge. Die Waage dachte, sie müsse niesen - blickte auf und sah ein Wesen, das sie an irgendetwas erinnerte - vor langer langer Zeit. Der kurze Trost machte ihr diese Hochpräsidentiale Wiegeaktion leichter und sie setzte wieder ihr Gelassenes Gesicht auf.

Nach einigen Tagen war die Wiegeaktion endlich beendet. Alle Klugheit von Innerland war in der einen Waagschale versammelt.

Der grün-weiße Präsidentinnentroß, den wir ja schon aus dem Anfang der Geschichte kennen, tauchte wieder auf und verkündete die Ergebnisse mit lautem Trommelwirbel.

Wirklich interessieren mochte sich für dieses Ergebnis eigentlich niemand. Es gab zwar eine große Feier mit Pomp und Brimborium und alle begaben sich dorthin und machten artig Smalltalk. Jedoch waren alle - vor allem die Grosse Waage - bis in die Knochen erschöpft und froh, daß dies nun endlich vorbei war.

Als das Ergebnis verkündet worden war, fühlte die kleine Elfe wieder diesen Sog, den sie ja schon kannte. Sie wurde gezogen und zwar direkt zu der zweiten Waagschale hin, die leer war und ziemlich weit oben in luftigen Gefielden.

Schnell öffnete die Elfe ihren Rucksack und holte die Träne des Menschen heraus. Sie legte sie behutsam in die leere Waagschale, nicht ohne sie zum Abschied sachte zu küssen.

Was nun geschah, hatte keiner erwartet. Selbst die Elfe nicht:

Mit einem lauten Knarren bewegten sich die arthritischen Gelenke der Alten Waage. Die obere Waagschale senkte sich allmählich nach unten und nach einigem Hin- und Herpendeln kamen beide Waagschalen genau auf gleicher Höhe zu stehen.

Die Menschen sprachen von einem Wunder.

In dem Krankenhaus aus dem die Elfe gekommen war, erwachte genau in diesem Moment der Mensch aus seinem Dämmerschlaf, rieb sich die Augen und verlangte - das erste Mal seit Wochen - nach einer Tasse Tee. Einige Tage später konnte er nach Hause gehen.


Re: Wolfsgesänge

Verfasst: 14. April 2010, 22:19
von Panthera
Manchmal schreibe ich Gedichte, indem ich einfach abschreibe von der Grössten und Schönsten Lehrerin - DER NATUR.
Im Gegensatz zu den verkopften Menschenlehrern lässt sie es zu,
dass ich abschreibe :D von ihr. Sie ist einfach grosszügig!

Vom Wachsen der Bäume

An manchen Tagen reicht die Stille
die ich tief in mir spüre
nur für mich

Noch nie ist mir aufgefallen
daß die Rinde der Bäume platzen darf
damit sie wachsen.

Einzig dies mag mich heute berühren
und die Frage
was die Elster im Wipfel der anderen zuruft
in einer mir fremden Sprache

Fremd ist auch meine Sprache mir
die aus der Brust zu mir aufsteigen möchte
Ich kann ihre Worte nicht verstehen
und ich werde es versuchen

Eins ums andere Mal
spüren daß ich eine Fremde unter lauter Ähnlichen bin

Diesmal weiß ich daß es eine Illusion ist
und ich unter den Fremden die bin, die mir selbst am meisten ähnelt


Re: Wolfsgesänge

Verfasst: 29. April 2010, 19:55
von Panthera-wölfin
Noch eine ist grosszügig - Neptunia - klar :D :D

Nixen leben ja mitten in der Natur!

Hier ein etwas älteres Gedicht, das schon von der Katze spricht ; das darauffolgende, relativ neue , erzählt von einer Häutung.

schnurren

mich getragen fühlen
vom sanften licht :
ich habe die unsichtbare tür
gefunden:

sie stand offen in
der alten mauer,
die mein Ich umgibt

und aus dem garten strömte
rosener duft

eingetreten empfängt mich
sanftes sanftes grün


linden küsst es meine augen
und auch die nase
lässt diesen heilenden duft der
herzförmigen
tief hinein strömen

moos streichelt meine fusssohlen
die ich samten setze
wie eine katze

in meinem ohr nistet
vogelsang
- verwöhnt windungen
türkisen

ich lehne mich an
mein sanftes selbst
und schnurre
das leben an




Strickmuster

Ist das Sein
nicht gestrickt aus
einer Masche Ekstase
im Wechsel mit
einer Masche Einsamkeit

Aus den bleckenden Augenhöhlen
des Schädels
schauen uns hin und wieder
Leberblümchen
oder anderes
Wildes Kraut

Ja sagen
zum Schädel und
Ja zum Kraut

Höre ich eine Schlange zischen
als sie in der Augenhöhle
verschwindet

Wer sah jemals
eine Schlange sich
hinter Jochbeinen häuten

Re: Wolfsgesänge

Verfasst: 2. Mai 2010, 14:16
von neptunia
meine liebe samtpfotige,

halleluja, die beiden gefallen mir außerordentlich gut!
das sanfte macht mich neidisch, denn nixe sein ist manchmal anstrengend. wieviel schöner wäre es, als katze herumzustreifen und nur der eigenen nase zu folgen ...
das andere ist tief - spielt mit bildern, die ein kleines bißchen wohlig gruseln. und doch denke ich dabei nur an weisheit ...

so oder so, mach weiter und erfreue uns!
es grüßt allerliebst die nixe

Re: Wolfsgesänge

Verfasst: 8. Mai 2010, 08:56
von Panthera
flüsse durch das mutterland
(für meinen vater)

das foto
eines kleinen jungen,
wie er sitzt
am ufer eines flusses
markiert mit der jahreszahl 1942 oder 1943

er wusste noch wenig
vom leben,
ausser dass
es hunger bedeutete
und krieg.
und dass dieser starke frohe mann
den er vater nannte
immer wieder verschwand
für lange monate
(die ihm wie ewigkeiten anmuteten)
mit einem blick in den augen,
der ihn erinnerte an
die gebrochenen augen des hasen,
den sie einmal geschlachtet hatten.

nun also sass er an
dieser uferbefestigung -
wirr seine haare im anbrandenden wind
der voll der stimmen war.

offen seine augen
und fröhlich sein kleiner,
nimmermüder mund.

ein kleines schiffchen liess er fahren
an diesem sommertag 1942
und so landet es heute
auf vielen umwegen
in meiner zeit.

imaginäre kanäle
quer durch unser mutterland
habe ich gebaut
in endlosen nächten des webens
und innewohnens.

ich liebe ihn
und seine verloren gegangenen träume,
denn sie haben aus mir
den menschen gemacht,
der ich bin.

er würde laut sagen,
dass er keine träumer mag,
weil sie wenig vom leben verstehen,
dass ihn so hart anpackte
schon bald.

aber ich glaube nicht seinen worten
die er geschworen
zwischen bombenhagel und nagendem hunger,
sondern dem,
was ich in meiner geheimsten
herzkammer über ihn und mich weiss.

auch wenn ich mir so oft
einen anderen gewünscht hätte
es war genau dieser
und so ist es gut.

ich nehme das schwere
das er mir gegeben
in meine linke hand
und puste es ins sein.

an jedem fallschirm des löwenzahns
hängt ein kleiner astronaut
der sich
auf seine landung vorbereitet.


Re: Wolfsgesänge

Verfasst: 9. Mai 2010, 09:35
von Panthera
:D danke Sanny

Gerade berührt mich dies Gedicht sehr
und
wenn ich es lese,
weiss ich auch um die schönen Seiten des Alleineseins!
Dieser entsetzliche und boshafte Hickhack,
der oft in Beziehungen stattfindet,
den mag ich nicht.
Nicht beobachten und
auch nicht erleben!

von seilen drachen und steinen

ich bin bei meiner freundin
und seit zwei stunden schon sprechen wir
in ihrer küche

dann kommt er
ihr mann

er bereitet das vor
was er für mich aufbewahrt hat
und ich bedanke mich dafür
und spreche darüber

da erst nehme ich plötzlich wahr
dass quer durch die küche seile gespannt wurden
auf einer seite sind wir
auf der anderen darf er sein

ich höre ihn weiterhin
und seine rede macht sinn
und erreicht mich
das licht in der küche erscheint mir
düsterer

es zieht sich etwas zusammen am horizont
zwischen den küchenschränken:
meine freundin wird nun plötzlich zum drachen
und speit feuer gegen ihren mann
damit er noch weiter hinter die seile zurückweichen soll

er lächelt damit keiner die brandwunde sieht
die sie ihm in seiner mitte geschlagen hat

da schickt sie nochmals einen feuerstoss aus
und er krümmt sich um seine mitte zusammen
und wird zum stein

tapfer lächelt er noch
und tut weitere fünf minuten so
als sei er noch lebendig

wie wandelbar meine freundin ist
nun wird sie plötzlich zum bulldozerfahrer
und entsorgt
die schweren reste des nachmittags

warum nur schäme ich mich
und wer entsorgt mir dieses gefühl
als ich alleine nach hause fahre

(erleichtert dass ich alleine bin)

Re: Wolfsgesänge

Verfasst: 1. August 2010, 15:01
von Panthera
Zwischen Knöchel und Ferse
liegt es - dies Land
das heute auf meine Fingerspitzen wartet.

Es heisst Nummer Fünf
und es ist so unendlich viel mehr

Es ist eine Sonnenblume
die ihr Köpfchen meinen Fingern zuwendet

Ein Baby - schlaftrunken
das im Traum lächelt
während ich es berühre

Es ist der Boden in Afrika
ausgetrocknet und nach dem Regen heischend
den meine Fingerspitzen
gerne bringen.

Es ist der zarte Kuss
den ein Mensch dem andern
zwischen die geschlossenen Lider haucht
als Segen
auf seinem Weg.

Nummer Fünf
nur eines der vielen Länder
die man betreten kann
wenn die Zeit gekommen ist

Re: Wolfsgesänge

Verfasst: 6. August 2010, 17:51
von Panthera
Berührung

Dreh mich in meiner Welt
immer um
die Eigene Achse

Von meiner persönlichen Landkarte
kenn ich nicht sosehr viel

Deutschland recht gut
und
ein wenig von Frankreich
Spanien und Griechenland.

Auch Italien
und
die Schweiz wurden schon
durchquert.

Wer kennt denn
mein Paraquay
und wer
das Himalaya
in meiner Welt ?

Gibt es einen,
der Afrika auf meiner Karte
erkennen kann?

Liechtenstein?
Hat gar schon jemand gesehen,
wie Liechtenstein bei mir ausschaut?

Und wer
hat sich jemals
bis zu meinem Nordpol
gewagt?

Dreh mich auf meiner Welt
immer nur um
die Eigene Achse.

Spinn im Universum,
das schwarz ist
und mich trägt .

Die Sterne - die Sterne
die leuchten
das sind
Eure Augen!

Die Augen all derer
die mich
von aussen sehen können
und den Atlantik an mir
bewundern und fürchten.

Sie sehen
sämtliche Schiffe,
die dort jemals zerschellt sind
auf den spitzen Klippen meines Verstandes.

Alle schiffbrüchigen Träume
kennen sie,
die an die Ufer
der Weltenmeere
gespült worden sind.

Ja
sogar Augen gibt es
die können bis in mein
persönliches Hiroshima schauen.

Und andere
die sehen mich zu einer Zeit
als noch Archaeopterixe flogen
und
Bienen sich
in Goldgelbe Gefängnisse
aus Harzernen Tränen einsperren liessen.

Ach
wie wundersam
ist es doch,
dass nur die wärmenden Sonnen
anderer Herzen
unsere Erde
am Leben erhalten!

Re: Wolfsgesänge

Verfasst: 6. August 2010, 19:15
von Lilienthal
Liebe Panthera,

wie schön, daß es wieder neue Wolfsgesänge gibt - der vom 1. August gefällt mir sogar noch besser - sehr zu Herzen gehend.

Lieben Gruß, Martinalilie

Re: Wolfsgesänge

Verfasst: 6. August 2010, 20:43
von Panthera
: 26 Eine 26 für meine Lieblingslilie !

Dankeschön - Panthera

Panther träumen

Verfasst: 24. August 2010, 10:16
von Panthera
Göttinenhaar

Im Morgengrauen
der sich lichtenden Nebel
setzte einen Fuss sie
vor den anderen.

Ihre Füsse dufteten nach Moschus und Amber
und als sie ihr langes Haar
aus leuchenden Fäden schüttelte

fiel dieser eine Tropfen heraus.

Wer sagt
er sei zu klein
hat noch nie Tautropfen näher betrachtet
die
aus der Göttin Haar geschüttelt wurden
voll der Anmut

Dieser hier schillert
in allen Farben je näher Du kommst
und je kleiner Du wirst

Der Tropfen kann
so groß werden wie
es die Welt von Anfang an war
und auch
so rein

Während Du
Deine Eitelkeit ablegst
vor der Schillernden Fläche aus gebogenem Wasser
spürst Du schon
wie Deine Grösse sich von Dir pellt
wie Haut nach einem
Sonnenbrand

Geschält
betrittst Du
ein Wunderland aus Neugeboren
Dort wo noch
kein Böses Wort gefallen ist
und
noch kein Wesen jemals das andere gefressen hat

Die lindgrüne Morgendämmerung
behütet einen Grashüpfer
der gestern noch
vom Leben träumte

Ein alter Silberrücken
laust seine Frau
während die Wolken
dies Idyll
aus Erstem Tag betrachten

Bild

Sie ziehen lautlos
und sammeln
die Wässer der Welt
die
nicht mehr auf Erden bleiben mögen
in ihren dicken Bäuchen

Bald wird es das erste Mal
regnen

Und dann
wird auch diese Welt
ihrer Bestimmung
entgegenwachsen

Bild: wikipedia - Gorilla - Fotograf Andre Engels

Re: Panther träumen

Verfasst: 5. September 2010, 12:09
von Panthera
Am Fluss


In einer Hütte am Fluß
wohnt er:
Ein Baumstamm sein Kleiderschrank
und
wenn die Fluten kommen
dringt Wasser an den Rand seiner träumenden Seele

In einer Hütte am Fluß
wohnt er:
Wäscht seine Kleider in den Donaufluten
und
lebt vom Fisch
den ihm die Angler schenken

In einer Hütte am Fluß
wohnt er:
Der Deutschen Sprache nicht mächtig
hat ihn ein Geheimnis
das nur sein Innerstes kennt
an diesen Platz gerufen
von Algen und Möwen bewacht

Eine Wohnung
im Herzen der anderen
die sich Menschen nennen
findet er nicht

Eine Wohnung
in einer Stadt
die sich "Weltkulturerbe" nennt
findet er nicht

Von Rosenblättern gesäumt
sei sein Weg
durch diese Stolze Stadt
die ihr Herz verschlossen hat

Wäre ein Heiler ich
ich würd' ihn berühren
damit der Himmel
nicht mehr soviel weinen muß
vor Herzschmerz

Aber
ich bin nur ich
und auch das nur zur Ungenüge

Ich darf also
die Beamten in meiner Inneren Stadt,
die sich "Weltkulturerbe" nennt
darauf hinweisen
daß da ein Mensch
am Donauufer sitzt
und
keine Bleibe hat,
der Deutschen Sprache nicht mächtig ist
und nur mit den Möwen spricht

Re: Panther träumen

Verfasst: 5. September 2010, 13:35
von Fish70
Hallo Panthera,

sehr berührend - und sehr wahr.

Und dass wo ich gerade "Die Hütte" lese, kennst du das? Unbedingt lese- und empfehlenswert.

lg

vom fish

Re: Panther träumen

Verfasst: 5. September 2010, 14:47
von Panthera
Liebe fish

Danke für Deine Worte.

Gestern war ein Artikel in der hiesigen Zeitung
über diesen Mann und ich merkte, wie ich berührt bin wg. dieses Schicksals
und am Liebsten gleich an diesem Schicksal
etwas gemildert hätte.

Jedoch - das hat mich das Leben gelehrt,
dass mein grosses Mitgefühl für andere
zurückgenommen werden darf
und mir eine Grenze aufzeigen mag
und diese weist mich immer nur auf mich selber zurück.

Meine Möglichkeiten sind sehr begrenzt zur Zeit
und um mein Sein zu schützen
darf ich es so "nehmen",
wie oben geschrieben.

Kürzlich hat mir mein grosses Mitgefühl für andere
eventuell eine sehr grosse Möglichkeit verbaut
einen wesentlichen Schritt weiter zu gehen für mich.

Dein Buch kenne ich nicht -
bemerkenswert ist die Ähnlichkeit des Titels mitdem,
was ich oben erzähle.

Worum geht es in "Deinem" Buch denn?

LG

Panthera

Re: Panther träumen

Verfasst: 5. September 2010, 19:11
von Fish70
Hallo Panthera,

ja, das Gefühl kenne ich auch. Früher konnte ich mich einfach besser abgrenzen, mir war aber auch vieles nicht bewusst, heute fällt mir das oft viel schwerer, da ich ja auch weiss, dass alles mit allem verbunden ist und die Dinge die mir passieren viel mit mir selbst zu tun haben.
Manchmal vermisse ich diese Coolness von früher, dann aber denke ich, diese Zeit ist halt vorbei und jetzt ist es anders.
Habe vor 2 Wochen einen Bericht gesehen über Menschen die in Rumänien auf der Müllkippe leben, das geht mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf und ich träume auch noch davon - wie kann man hier im Paradies weiter leben wie bisher, wenn man so etwas weiß??
Normalerweise schalte ich den Fernseher nur noch selten an, aber vielleicht sollte es so sein, dass genau das lief.

Zu dem Buch, ich wollte es schon lange lesen, aber es hat eine Weile gedauert bis ich es mir in der Bibliothek ausleihen konnte, weil es ständig vergriffen ist. Jetzt haben sie wegen der großen Resonanz ein zweites gekauft.
Ich schreibe dir mal von der Rückseite den Text:

Die Hütte von William Paul Young

"Dieses Buch verändert. Es nimmt dem Zweifler die Zweifel, dem Traurigen die Trauer, es gibt dem Hoffnungslosen neue Hoffnung" (Christliches Medienmagazin PRO)

Vor Jahren ist Mackenzies jüngste Tochter verschwunden. Ihre letzten Spuren hat man in einer Schutzhütte im Wald gefunden, nicht weit vom Camping-Ort der Familie. Vier Jahre später, mitten in seiner tiefsten Trauer, erhält Mack eine rätselhafte Einladung in diese Hütte. Ihr Absender ist Gott. Trotz seiner Zweifel lässt Mack sich auf diese Einladung ein. Eine Reise ins Ungewisse beginnt. Was er dort findet, wird Macks Welt und Leben für immer verändern.

Dieses Buch hat in den wenigen Monaten seit Erscheinen der amerikanischen Originalausgabe Millionen Leser begeistert.

Ich hab ja erst angefangen zu lesen, aber es gefällt mir sehr gut. Und getrauert und geweint hab ich jetzt lange genug, ich will wieder mitten ins Leben zurück - vielleicht hilft es mir ja dabei.

lg

vom fish