Weihnachten in China - eine wahre Geschichte

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optimistin
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Weihnachten in China - eine wahre Geschichte

Beitrag von optimistin »

Von der Freundschaft der Menschen
in Shanghai

Einmal habe ich eine Zeit lang in China gelebt. Da war niemand, mit dem ich befreundet war und der sich darum kümmerte, wie mir zumute war. Ich kam mir ganz verloren vor in diesem Meer von fremden Gesichtern.
Ich wohnte bei Europäern, die chinesische Diener hatten. Der oberste von ihnen war der Koch Ta-Tse-Fu, der große Herr der Küche. Er redete gebrochen deutsch und war der Dolmetscher zwischen mir und dem Zimmer-Kuli, dem Ofen-Kuli, dem Wäsche-Kuli und was es sonst noch an Dienerschaft im Hause gab.

- Heilig Abend -
und ich saß wieder einmal verheult in meinem Zimmer. Da überbrachte mir Ta-Tse-Fu ein Geschenk. Es war eine chinesische Kupfermünze mit einem Loch in der Mitte, und durch das Loch waren viele bunte Wollfäden gezogen und dann zu einem Zopf zusammengeflochten."Eine sehr alte Münze", sagte der Koch feierlich, "und die Wollfäden gehören auch Dir. Die Wollfäden sind von mir und meiner Frau, vom Zimmer-Kuli und seiner Schwester, von den Eltern und dem Bruder des Ofen-Kuli, von uns allen sind die Wollfäden."Ich bedankte mich sehr. Es war ein merkwürdiges Geschenk - und noch merkwürdiger als ich dachte...
Denn als ich die Münze mit ihrem bunten Zopf einem Bekannten zeigte, der seit vielen Jahren in China lebte, erklärte er mir, was es damit für eine Bewandtnis hatte: Jeder Wollfaden war eine Stunde des Glücks. Der Koch war zu seinen Freunden gegangen und hatte sie gefragt: "Willst Du von dem Glück, das Dir für Dein Leben vorausbestimmt ist, eine Stunde des Glücks abgeben?"
Der Ofen-Kuli und Zimmer-Kuli und Wäsche-Kuli und ihre Verwandten hatten für mich, für die fremde Europäerin, einen Wollfaden gegeben als Zeichen, daß sie mir von ihrem eigenen Glück eine Stunde des Glücks schenkten. Es war ein großes Opfer, das sie brachten. Denn wenn sie auch bereit waren, auf eine Stunde zu meinen Gunsten zu verzichten - es lag nicht in ihrer Macht, zu bestimmen, welche Stunde aus ihrem Leben es sein würde. Das Schicksal würde entscheiden, ob sie die Stunde abtraten, in der ihnen ein reicher Verwandter sein Hab und Gut verschrieben hätte oder ob es nur eine der vielen Stunden sein würde, in der sie glücklich beim Reiswein saßen; ob sie eine Glückstunde wegschenkten, in der das Auto, das sie sonst überfahren hätte, noch rechtzeitig bremste oder die Stunde, in der das junge Mädchen vermählt worden wäre.Blindlings und doch mit weit offenen Augen machten sie mir, der Fremden, einen Teil ihres Lebens zum Geschenk.

Von diesem Tag an habe ich mich in China zu Hause gefühlt. Und die Münze mit dem bunten Wollzopf hat mich jahrelang begleitet.
Eines Tages lernte ich jemanden kennen, der war noch übler dran als ich damals in Shanghai. Und so habe ich einen Wollfaden genommen, ihn zu den anderen Wollfäden dazugeknüpft - und habe die Münze weitergegeben.
Tränen sind kein Zeichen von Schwäche. Sie sind Zeichen dafür, dass man zu lange versucht hat, stark zu sein.
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Lilienthal
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Re: Weihnachten in China - eine wahre Geschichte

Beitrag von Lilienthal »

Gänsehaut!
Erfahrung ist nicht das, was einem zustößt. Erfahrung ist, was du aus dem machst, was dir zustößt.
-Aldous Huxley-
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teresa
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Re: Weihnachten in China - eine wahre Geschichte

Beitrag von teresa »

Sehr schön. Danke.
Achte den Alltag!
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Fish70
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Re: Weihnachten in China - eine wahre Geschichte

Beitrag von Fish70 »

Danke schön liebe Optimistin,

da wird es einem ganz warm ums Herz und im Notfall kann man sie bei Bedarf an Heiligabend ja noch mal nachlesen...

Liebe Grüße

vom fish
Gesundheit ist weniger ein Zustand, als eine Haltung und sie gedeiht mit der Freude am Leben!
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Christa
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Re: Weihnachten in China - eine wahre Geschichte

Beitrag von Christa »

Liebe Optimistin,
Deine Geschichte hat mich sehr berührt.
Herzlichen Gruß
Christa
Nichts kann den Menschen mehr stärken,
als das Vertrauen, das man ihm entgegenbringt.
(Tolstoi)
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Momabo
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Re: Weihnachten in China - eine wahre Geschichte

Beitrag von Momabo »

habe auch Gänsehaut, kribbelt tierisch den Rücken runter...

danke für diese schöne Geschichte, wäre schön, wenn wir das bei Ausländern um uns herum auch so handhaben könnten...

lg Mona
Herr, gebe mir Gelassenheit, Dinge anzunehmen, die ich nicht ändern kann,
gebe mir den Mut, die Dinge zu ändern die ich ändern kann und
die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
- Reinhold Niebuhr -
www.jsj-praxis-mit-herz.de
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Kodo
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Re: Weihnachten in China - eine wahre Geschichte

Beitrag von Kodo »

Oh, ja, mir rieselte auch grade eine Gänsehaut beim Lesen dieser wunderbaren Geschichte runter.
Danke, liebe optmistin, fürs Erzählen.
All that we are is the result of what we have thought.
Buddha

習うより慣れろ。
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optimistin
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Re: Weihnachten in China - eine wahre Geschichte

Beitrag von optimistin »

Liebe Lilie, Teresa, Fish, Christa, Momabo und Kodo,

vielen Dank für Eure Antwort auf meine
Weihnachtsgeschichte. : 26 Ich freue mich, daß sie Euch gefallen hat.
Die Optimistin
Tränen sind kein Zeichen von Schwäche. Sie sind Zeichen dafür, dass man zu lange versucht hat, stark zu sein.
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