Im Spessart lebte eine alte Frau,
für sie war das Leben mehr als grau.
Mit ihrem Einkommen war es schlecht bestellt,
mit einem Wort - sie hatte kein Geld!
Sie überlegte angestrengt hin und her,
wie denn wohl Geld zu kriegen wär'.
Ihr kam ein Gedanke - oh sapperlott -
sie schrieb einen Brief an den lieben Gott!
"Lieber Herrgott, ich bin alt und arm,
das Geld ist zu wenig, so hab' doch Erbarm',
schicke mir schnellstens hundert Mark,
sonst muss ich hungern, und das ist doch arg'.
Eine andere Hilfe weiß ich nicht mehr,
und ohne Moneten ist's doch so schwer.
Und bitte, beeile Dich mit dem Geld,
sonst ist's nicht mehr schön auf dieser Welt!"
Der Brief wird frankiert, in den Kasten gesteckt
und am nächsten Tag vom Postboten entdeckt,
der liest die Adresse, was soll er nur machen?
"An den lieben Gott", das ist ja zum Lachen!
Er denkt sich aber: Spaß muss sein!
Und legt den Brief in's Fach vom Finanzamt hinein.
Am anderen Tag dort angekommen,
wird er von einem Beamten in Empfang genommen.
Wenn Sie nun annehmen, der wirft weg den Brief,
oh nein, so ist es nicht, da liegen Sie schief!
Er liest den Brief und denkt gleich daran,
wie man der armen Frau wohl helfen kann!
Ja, glauben Sie mir, das ist kein Scherz,
es gibt beim Finanzamt Beamte mit Herz!
Ihm kommt der Gedanke, ja, das ist fein,
das könnt' für die Frau eine Hilfe sein!
Er fängt sofort an durch die Räume zu wandern,
und sammelt recht fleißig von einem zum andern.
Doch leider war der Erlös etwas karg,
- statt hundert bekam er nur siebzig Mark!
"Besser als nichts", sagt sich der Mann
und schickt das Geld ab, so schnell er kann!
Die Frau freut sich sehr, sie kann es kaum fassen,
dass der Herrgott sie nicht im Stich gelassen.
So schreibt sie rasch einen Dankesbrief,
womit sie in Eile zum Postamt lief.
Im Schreiben hieß es: "Lieber Gott, von Herzen stark
danke ich Dir für die siebzig Mark!
Doch solltest Du mal wieder an mich denken,
und mir wieder ein paar Märker schenken,
dann möchte ich Dich um eines bitten:
Das Geld nicht wieder über das Finanzamt schicken,
denn die Lumpen haben mir - ungelogen -
von den hundert Mark doch dreißig abgezogen!"

glg von Opti


