ich habe von fish eine Mail bekommen, die mir ausgesprochen gut gefallen hat. Vielen Dank noch einmal
Heute werde ich sie im Auftrag von unserem fishlein hier reinsetzen, damit wir sie mit Euch teilen können.
glg vom fish und von opti
Auszug aus „STERN-GESUND LEBEN-DAS MAGAZIN FÜR KÖRPER, GEIST UND SEELE“
Da, wo ich bin, will ich sein
Statt zu jammern, sollten wir lieber Verantwortung für unsere Situation übernehmen, sagt der Psychologe Jens Corssen (JC). Darin liege der Schlüssel zur Veränderung.
Anfang Januar sind wir uns ganz sicher, dass wir von jetzt an dreimal die Woche joggen und Obst und Gemüse, statt Chips und Kuchen essen, aber schon Anfang Februar ist der Schwung dahin. Warum tun wir uns so schwer, das zu tun, was wir uns vornehmen?
JC: Es ist naiv zu glauben, ich setze mir ein Ziel und dann mache ich das. Oft funktioniert das nicht, weil die Macht der Gewohnheit groß ist und wir klug vorgehen müssen, um da raus zu kommen. Wir sind zum großen Teil eine Reiz-Reaktionsmaschine. Das hört niemand gern, aber es hilft sehr, die Dinge nüchtern zu sehen und sich das Versagen zu verzeihen. Wenn ich mir einfach nur vornehme, nicht mehr so viel zu essen, habe ich schon verloren.
Warum?
JC: Das Unterbewusstsein kann mit Verneinungen nichts anfangen, weil es in Bildern denkt. Deshalb bekommt es nur „Essen“ mit. „Ich will nicht mehr in der Wüste leben“ heißt also „weiterhin in der Wüste bleiben“, weil mir die Oase als Vision und Anstoß loszugehen fehlt.
Das heißt, wir müssten unser Ziel positiv formulieren, also etwa: Ich will in der Oase leben?
JC: Richtig. Und beim Abnehmen hieße es: Ich möchte so und so viele Kilogramm wiegen. Deshalb schreibe ich, wenn ich weniger essen möchte, erst mal mein Wunschgewicht auf. Und dann ändere ich nichts, sondern entscheide mich nur, mein Essverhalten zu beobachten. Allen, die in meine Seminare kommen, vermittele ich: Du kannst dein Leben schrittweise verändern, wenn du eine geistige Haltung annimmst, aus der heraus du dein Verhalten sozusagen von oben beobachtest. ich schaue mir etwa zu, wie ich mampfend vor dem Fernseher sitze. Und diese Selbstbewusstheit ermöglicht es mir erst, mich in gerader Samuraihaltung an den Tisch zu setzen.
Was haben die traditionellen japanischen Kämpfer mit meinem Wunschgewicht zu tun?
JC: Ein Samurai diente einem Herrn, einer Idee. Ich diene in diesem Fall meinem Ziel: Gewichtsabnahme. Ich sitze aufrecht und esse, ohne zu reden, fernzusehen oder zu lesen. Dabei kann ich so viel essen wie ich will. Ich muss mir nur bewusst sein, dass ich esse. Viele schaffen es nicht etwas zu verändern, weil sie nicht merken was sie tun und denken. Sie machen sich Schuldgefühle und beschweren sich über sich selbst. Aber wer sich beschwert wird schwer.
Ein schöner Spruch – aber was steckt dahinter?
JC: Selbstbeschimpfungen wie „ich bin fett“ oder „ich bin undiszipliniert“ führen nur zu mehr Trägheit. Schuldgefühle lassen einen reagieren wie ein kleines Kind, das schnell heimlich Essen in sich hinein stopft, damit die Eltern es nicht merken. Wenn ich etwas vor mir selbst verheimliche, also es ja an sich gar nicht tue, gibt’s ja auch nichts zu verändern.
Also Schluss mit Selbstbeschimpfungen. Was hilft stattdessen?
JC: Ich brauche Selbstdisziplin. Wenn es mir gelingt, bewusst zu essen und jeden Bissen 21mal zu kauen, werde ich automatisch weniger zu mir nehmen. Ich brauche dann keine Diät. Manchmal sage ich ganz provokativ: Du musst nicht abnehmen, du musst nur sterben. Mach es dir doch schön mit deinem sogenannten Übergewicht. Das Einzige was dich fertig macht ist das du denkst, du dürftest es nicht haben. Dein Gewicht macht dich vielleicht ein bisschen schwerfällig und langsam, na und?
Damit blenden sie aber aus, dass Übergewicht gesundheitliche Probleme machen kann.
JC: Das weiß doch heute jeder. Man sollte aufhören zu jammern, wenn man eh nichts ändert. So produziert man Versagergefühle, an denen man noch schwerer trägt als am Übergewicht. Das gilt für alle Lebensbereiche mit denen man unzufrieden ist.
Was ist so schlimm daran zu jammern oder zu schimpfen? Das tut doch auch manchmal gut.
JC: Gefühle wie Ärger und Trauer herauszulassen ist gesund. Aber dauernd über die Gegebenheiten zu jammern macht krank. Sobald sie andere und sei es nur leise beschimpfen und für ihr Unglück verantwortlich machen, begeben sie sich in die Opferrolle.. Bis andere sich ändern und so verhalten, wie es ihnen in den Kram passt, können sie lange warten. Und dieses Warten macht auf Dauer unglücklich. Warum sollte ein Mann, den sie als Mamasöhnchen beschimpfen, plötzlich diese Rolle aufgeben? Warum sollte Ihr Chef sich auf einmal einfühlsam verhalten, weil sie ihm die Diagnose „Psychopath“ anhängen? Es ist größenwahnsinnig zu glauben, sie könnten andere ändern, indem sie sie beschimpfen und kritisieren.
Sie plädieren aber doch hoffentlich nicht dafür sich alles gefallen zu lassen und sich nie abzugrenzen?
JC: Selbstverständlich nicht, aber ich plädiere dafür zu sagen: „Es reicht mir, ich habe genug“, und es dann – soweit es in meiner Macht steht, zu verändern. Was viele Menschen fertig macht, ist, dass sie sie vor allem über Dinge ärgern, die außerhalb ihres Einflussbereiches liegen: den Dollarkurs oder die Unterschiedlichkeit von Mann und Frau. Viele ärgern sich so lange über den Chef, den Partner oder das Leben an sich, dass sie nur noch angespannt sind. Stattdessen könnten sie die Verantwortung für sich und ihr Tun übernehmen und sich bewusst machen: Da wo ich bin, da will ich sein. Alles andere war mir bisher zu anstrengend. In dieser Firma und in dieser Partnerschaft will ich sein, sonst wäre ich nicht hier. Und mein aktuelles Gewicht will ich haben, sonst hätte ich es nicht.
Vielleicht möchten sie es ja auch gar nicht?
JC: Offenbar schon, denn es hat mich niemand gezwungen so viel zu essen. Ich höre schließlich keine Stimmen, die mir etwas befehlen. Viel effektiver als zu meckern, ist es, sich zu fragen: Wie denke ich über mich, die anderen und das Leben? Da liegt der Schlüssel zur Veränderung. Meine Einstellung! Denke ich: Das Leben ist eine Ganztagsschule ohne Ferien, die Situation ist mein Coach und ich bin ihr Schüler. Oder denke ich: ich bin eine arme Sau!
Das Leben als Unterrichtseinheit klingt interessant, aber auch anstrengend, nach permanenter Arbeit an sich selbst.
JC: Im Gegenteil. Im empfehle: Hören sie auf, ständig besser werden zu wollen. Sie sind von Geburt an völlig ok. Das hat man Ihnen jedoch nicht immer vermittelt. Was besser werden kann ist Ihr Verhalten in Bezug auf ihr Ziel. Es ist ganz wichtig, die Person vom Verhalten zu entkoppeln, damit man nicht alles persönlich nimmt und lernbereit bleibt. Also: Ich bin ein vollkommener Mensch und habe mechanische, mich lenkende Gedanken und ungünstige Angewohnheiten, die mich davon abhalten, mein Ziel zu erreichen. Ich habe auch keine „Probleme“. Was ist, ist und erst wie ich es beurteile, bestimmt mein Erleben und Verhalten.
Bitte kommen sie jetzt nicht mit „Es gibt keine Probleme, nur Herausforderungen“
JC: Ich finde, das stimmt im Kern. Gleichzeitig bin ich gegen „positives Denken“ und die populäre Glücksforschung. Die Menschen werden durch die Suche nach der Glücksseligkeit dazu verführt, nur den positiven Pol des Lebens anzustreben und übersehen, dass man Freude nur über Nichtfreude erleben kann und Glück nur über Unglück.
Weil wir die guten Momente des Lebens nicht ohne die schlechten zu schätzen wissen?
JC: Wie will ich Erfolge erleben und schätzen, wenn ich Misserfolg nicht erfahren habe? Wie kann ich eine nährende Beziehung erleben, wenn ich keinen Liebesfrust kenne? ich habe einen Fußballspieler gecoacht, der furchtbar frustriert war, weil er eine Weile auf der Ersatzbank sitzen musste. Ich habe ihm vermittelt, dass es zur Nationalspielerkarriere dazu gehört auch mal auf der Ersatzbank zu sitzen.
Aber die Leute kommen zu Ihnen, weil sie Ziele erreichen wollen. Und sie versprechen, ihnen dabei zu helfen?
JC: Ziele zu verfolgen ist wichtig, sonst erleben wir nichts mehr und können uns nicht entwickeln. Diese sollte man sorgfältig auswählen und genau prüfen, ob man etwas wirklich will. Fremdbestimmte Ziele werden erfahrungsgemäß boykottiert. Fünf Fragen helfen, Vorsätze zu streichen oder sie leidenschaftlich zu erhöhen.
Wie lauten die?
JC: 1. Will ich das Ziel wirklich, wirklich, wirklich erreichen?
2. Was brauche ich, um es zu schaffen?
3. Woher bekomme ich, was ich dafür brauche?
4. Was kostet mich das? Welche Opfer müsste ich dafür bringen?
5. Wie sieht mein Leben aus, wenn ich es geschafft habe?
Und dann?
JC: Dann stellt sich meist heraus, dass einige Ziele gar nicht meine eigenen sind und ich sie deshalb oft unbewusst boykottiere. Dann kann ich sie streichen. Was für eine Entlastung! Für das Vorhaben, das mir wirklich wichtig ist, setzte ich mich ein. Meine Erfolgsformel lautet: „Verfolge dein Ziel, als ob du es nicht hättest und tue das, was du tust, so gut wie du es heute kannst.“
Das ist ein Widerspruch…
JC: … der nichts anderes bedeutet, als dass man sich nicht verkrampft auf ein Vorhaben fixieren sollte.
Und wenn der innere Kritiker zuschlägt und sagt: Das schaffst du sowieso nicht?
JC: Selbstvertrauen kann man trainieren. Ich habe mit einer Klientin gearbeitet die hervorragend ausgebildet war, sich aber nichts zugetraut hat. Ich riet ihr mit etwas anzufangen, was sie ohnehin schon zu 80% tut und es auf 100% zu steigern. Sie aß fast jeden Tag einen Joghurt. Wir setzten also einen Vertrag auf in dem sie sich verpflichtete, jeden Morgen vor acht einen Joghurt zu essen. Eines Abends stellte sie gegen 22:30 Uhr fest: kein Joghurt im Kühlschrank. Erst dachte sie: Na und, dann kaufe ich ihn halt morgen auf dem Weg zur Arbeit. Aber dann fiel ihr der Vertrag ein. Sie fuhr mit dem Taxi zum Spätkauf am Hauptbahnhof und erstand den teuersten Joghurt ihres Lebens. Aber so hatte sie ihre Vereinbarung (mit sich selbst) eingehalten.
Hört sich ein bisschen simpel an.
JC: Es klingt vielleicht merkwürdig. Aber für sie war es ein großer Durchbruch, weil sie gespürt hat, dass sie sich auf sich selbst verlassen kann. Wenn ich meine Vereinbarungen einhalte, werde ich mit der Zeit auch anderen Menschen gegenüber vertrauensvoller. Immer wenn ich etwas verspreche, das ich nicht einhalte, schwäche ich mein Selbstwertgefühl. Deshalb ist es gut und stärkend, immer wieder kleine Vertrauensübungen zu machen. Heute trinke ich nur Wasser. Heute verzichte ich auf Süßigkeiten. Heute nehme ich keine Rolltreppe.
Machen sie diese Übungen auch?
JC: Selbstverständlich. Ich bin darauf gekommen, weil ich mir vorgenommen hatte, einen Tag nur Wasser zu trinken und es zweimal nicht geschafft hatte. In einer Seminarpause habe ich ganz automatisch Kaffee gewählt. Da wurde mir klar warum viele seit Jahren davon reden ihren Keller aufzuräumen und es nie schaffen. Wie will man etwas Größeres bewältigen, wenn man es nicht einmal schafft einen Tag lang nur Wasser zu trinken? Ich stelle mich zum Beispiel seit 13 Jahren jeden Morgen eine Minute lang auf einen Stuhl.
Wie ist ihnen denn das eingefallen?
JC: Diese Übung habe ich von einem asiatischen Bewusstseinslehrer. Als er gefragt wurde, warum er das mache, antwortete er: Weil ich es mir vorgenommen habe. Das hat mich sehr beeindruckt. Diese Stuhlübung erinnert mich an meine Verpflichtung mir selbst gegenüber, anstehende Dinge zu erledigen und mich um meine Entwicklung zu kümmern. Eine einmalige Erkenntnis verändert gar nichts, nur wiederholte Einsicht, hat die Kraft etwas zu bewirken. Wenn ich zum Beispiel monatelang jeden Morgen den Satz lese „DA WO ICH BIN, WILL ICH SEIN“ werde ich meine Opferhaltung aufgeben, Verantwortung für mein Tun übernehmen und so eine positive Grundstimmung erzeugen.
Lesen allein genügt?
JC: Jeden Morgen einen für mein Wachstum förderlichen Satz zu lesen hat eine große Kraft. Einsichten allein ändern nichts. Nur wenn man sie sehr oft wiederholt, zeigen sie sich auf der Verhaltensebene. Ich kann mein Vertrauen in mich verstärken, indem ich mein Ziel in meinem Unterbewusstsein verankere.
Wie das?
JC: Man stellt sich zum Beispiel beim Einschlafen vor, wie schön es sich anfühlt wenn man wieder gesund ist, eine liebevolle Beziehung mit seinem Partner hat, souverän einen Vortrag hält oder was auch immer. Das macht man ungefähr eine Minute lang, genießt es und lächelt dabei. So nimmt man sein Ziel vorweg und färbt sein Unterbewusstsein mit Vertrauen. Dadurch signalisiere ich ihm: Auch mir ist es gegeben, dieses oder jenes zu schaffen. Wenn man eine Vision hat, ist man beseelt und das wirkt stärker als der reine Wille.
Gleichzeitig warnen sie davor, sich auf Ziele zu sehr zu versteifen.
JC: Es ist wichtig sich etwas vorzunehmen und loszugehen und so der angeborenen Entdeckerlust und Gestaltungsfreude Raum zu geben. Aber es ist ein Irrglaube anzunehmen, dass man am Ziel garantiert glücklich sein wird. Außerdem finde ich es ungünstig wenn man sein Selbstwertgefühl nur davon abhängig macht, dass man erfolgreich ist und andere einem Beifall klatschen.
Was empfehlen sie stattdessen?
JC: Ich meine wir sollten „Erfolg“ anders definieren. Im Sport spricht man vom inneren und vom äußeren Spiel. Die Nummer eins zu sein, zum Beispiel beruflich ganz oben zu stehen, ist das äußere Spiel. Das innere Spiel dagegen heißt: Ich habe mir etwas vorgenommen, halte an meinem Vorhaben fest und meine Strategien ein. Ich nehme mir vielleicht vor, beim Tennis mutig zu spielen, ans Netz zu gehen und mein Bestes zu geben. Wenn ich das konzentriert einhalte, habe ich das innere Spiel gewonnen, aber das äußere womöglich verloren. Ich sollte also mein Selbstwertgefühl nicht mehr davon abhängig machen, ob ich das äußere Spiel gewinne, sondern ob ich mein Optimum gegeben habe.
Sollte ich also ein Perfektionist werden?
JC: Nein, das wäre für das eigene Wohlbefinden gefährlich. Es gibt stets etwas das ich noch hätte besser machen können und das deprimiert auf Dauer. Wenn ich dagegen das Optimum bringe, weiß ich, ich habe heute alles mit ganzem Herzen gemacht und so das innere Spiel gewonnen – auch wenn ein anderer damit unzufrieden ist.
Jens Corssen, 69, Dipl-Psychologe und Verhaltenstherapeut, hält Vorträge zum Thema Selbstmanagement und arbeitet als Coach vor allem für Führungskräfte. Seine Erfahrungen hat er auf 4 CD’s (Als Selbstentwickler zu privatem und beruflichem Erfolg, Campfire Audio, 59,95 Euro) zusammengefasst.




