See bin ich - Spiegel meine Aussenhaut
für mich und andre, so das Licht es will.
Gründweidenblatt Du wohnst in schwarzer Irishaut -
heut weht kein Wind: Der grosse Wald schweigt still.
Leise öffne ich die rosne Tür ins Herz-
vorbei an Algen, Fischen, altem Stein;
löse sachte Flechten, Moos von altem Schmerz:
Seh mich so wie ich bin und lass mich sein.
Die Adern aus dem Stein hab ich gelesen -
der Krebs, er wagt sich aus der Schale raus.
Der stille Waldsee: Immer ist er schon gewesen.
Mit Mondkraft wächst es neu, das Haus.
See bin ich - schliesse meine Lider sacht.
Orangenbraun der Fischschwarm flitzt nach Süd.
Spürst Du, was hier in klarer Mondnacht wacht ?
Es ist das Herz des Waldes, das stets glüht.
Geboren am Strauch - mit andern - noch klein
eine Knospe aus Rosenblatt - weiss und rein.
Hört oft die Schwestern in Frühlingsnacht flüstern
von Liebe und Leidenschaft - sanft und lüstern.
Träumend und zart geborgen in Hallen
hört auch singen von Liebe sie Nachtigallen.
"Was nur mag diese Liebe sein?"
"Das schönste auf Erden - Schwesterlein!"
Geboren am Rande vom "Schwarzen Wald"
knickt eine spielende Kinderhand sie alsbald
- wirft in den weiten Strom sie hinein;
lange Zeiten wird nun auf Reisen sie sein.
Statt Schwestern am Strauch hört nun Tropfen sie raunen
- manch eine Geschichte setzt sie in Erstaunen:
Hier dieser Tropfen war sicher dabei,
als die Welt grad' frisch geboren worden sei.
Um sein langes Leben der Wandlung zu ehren
mag die Rose eines ihrer Blätter entbehren.
Legt dem Urzeitwassertropfen es zu Füssen
- mit weisser Schleppe kann nun er die Reise geniessen.
Weiter noch öffnet sie ihre Blütenblätter
als sie hört vom Tropfen, welcher - Jahrtausende später -
Schweisstropfen an Tyrannen's Haut war
- an seiner Stirn ganz offenbar.
Fängt diesen Tropfen mit weissem Samthandtuch auf;
hört mehrere nebenan wispern - zuhauf.
Die als Tränen geblitzt auf Afrikas Haupt
als stolze Menschen zu Sklaven geraubt.
Weit öffnet die Rosenblüte sich - immer weiter -
manches Mal sind die Erzählungen heiter.
Manches Mal traurig und dunkel - wie alter Wein
Im Fluss des Lebens schläft das Rosenkind ein.
Erwacht , verschenkt Blätter an Wassertropfen,
die mit ihren Geschichten ans Innerste klopfen.
Nur ein Blatt noch am Stiel zieht ins Schwarzmeer sie ein -
da fällt auf ihr Haupt Morgensonnenschein.
Weisse Rose - gefärbt in der Sonne blutrot.
Alle Blätter verschenkt auf der Reise zu Gott.
Zieh' ein ins Schwarzmeer von den Tropfen geküsst:
Nun weißt Du - Schwester - was Liebe ist
Wolfsfrau Frühjahr 2008
Zuletzt geändert von Panthera am 21. September 2008, 13:31, insgesamt 1-mal geändert.
Wie schön, dass eine Morgensonne, die aus dem Schwarzwald kommt mein Gedicht mag ; sie erscheint ja auch darin!
Wolfsfrau - lächelnd und sich an den Satz von Rumi erinnernd, der ungefähr so lautet:
Alles was ich weiss, ist nur ein Tropfen:
Lass ihn mit dem Ozean Deiner Seele verschmelzen!
Herzliche Grüsse
Wolfsfrau
manchmal - wenn der himmel tief luft holt und sonne mond und sterne zu atem kommen - spüre ich meine maske von innen
und empfinde mit jeder faser, dass ich daheim bin
Nach Lichtmeß
Himmelsblüte weit
öffnest Du Deine Knospe
ins MilcheneBlau Rosen
umarmt Dich die Erde
an Deinen sachten Ufern Fruchtstempel wir
Menschen Augen
sacht bestäubt
von allem
was licht ist
manchmal - wenn der himmel tief luft holt und sonne mond und sterne zu atem kommen - spüre ich meine maske von innen
und empfinde mit jeder faser, dass ich daheim bin